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14. November 2020

Elitetipp im November: OL für den Lockdown und danach

Die Idee für eine zukünftige Form des OL kommt wenig überraschend: Posten werden als gps-Koordinaten festgelegt, man nimmt sein Smartphone oder die Laufuhr und läuft mit einer Papierkarte wie gewohnt die Bahn ab. Das Smartphone erkennt, dass man am Start war und startet die Zeitnahme, an jedem „virtuellen“ Posten registriert das Smartphone den Posten und im Ziel stoppt das Smartphone die Zeit wieder. Hochladen, Ergebnisliste mit Routen von allen und die Zwischenzeiten einsehen. Genial. Nennt sich MapRunF.

Wir verwenden die App seit dem ersten Lockdown im Mai im Training und sind ganz begeistert.

Wie kann man MapRunF verwenden?

„Anstatt Vereinstraining“ ist etwas, was einem derzeit sofort einfällt. Der Trainer plant die Posten, veröffentlicht die Bahnen, verschickt die Karten per pdf und die Läufer laufen selbstständig wann es ihnen passt. Diese Idee weitergedacht sind virtuelle Wettkämpfe oder virtuelle Laufserien, wo die Etappen über mehrere Wochen gelaufen werden können, z.B. einen ganzen Winter lang. Da ist es dann nicht mehr weit zu Festposten die ewig und zerstörungsfrei hängen. Auch neue Gelände, Trail-Läufe, Landschulheim-OLs und ähnliches lassen sich mit der App sogar spontan durchführen. Wir haben gerade 5 Bahnen für den Schul-OL hochgeladen- die Lehrer müssen nichts mehr vorbereiten.

Ob man zusätzlich noch echte Posten hängt bleibt jedem überlassen. Wir verwenden oft neutrales Absperrband, manchmal laufen wir aber auch ganz ohne Markierungen.

Was zeichnet MapRunF aus?

Die App ist kostenlos. Sie wurde professionell entwickelt. Sie läuft zuverlässig und es gibt gefühlt unendlich viele verschiedene OL-Formen (Normal-OLs, verschiedene Score-Formen usw) zur Auswahl. Jeder kann Bahnen legen ohne sich aufwändig registrieren zu müssen, jeder kann mitmachen ohne irgendwelche nervigen Passwörter. Es gibt eine tolle Website mit guten Erklärungen und HowTos. Kleine Ernüchterung: MapRunF gibt es nur auf englisch.

Die App kennt 4 verschiedene Modi:

QuickStart Event: einfach die Posten auf dem Handy in google maps markieren und losrennen! Wer will kann auch das Bild einer Karte davorlegen… ganz spontan überall nutzbar.

Check Sites: Diesen Modus verwendet man für „private Trainings“ oder -wie der Name sagen soll- zur Kontrolle der Postenstandorte. Wer den 6-stelligen Code der Bahn kennt, der kann die Bahn auf sein Smartphone laden und laufen. Wer den Code nicht hat kriegt nicht mit, dass es da einen Lauf gibt. Die Dateien liegen nur eine bestimmte Zeit auf dem MapRun-Server und werden dann automatisch gelöscht.

Events on MapRun Server: das sind die öffentlichen Läufe, die nur die Administratoren von MapRun einstellen können. Sie sind geprüft und erfüllen die Standards. Jeder kann sie runterladen, jeder sieht Bahn und Karte und jeder kann sie laufen. Die Läufe liegen prinzipiell ewig dort und können immer wieder gelaufen werden- die Ergebnisliste wird also immer voller.

Hier gibt es noch die vierte Variante: öffentliche Läufe mit Code. Sinnvoll ist das für einen Wettkampf, denn Karte und Bahnen sind bis zum Startaugenblick nicht sichtbar und auch die Öffentlichkeit kriegt nicht mit was da läuft.

Was muss man beachten?

Dieser Elitetipp wird jetzt keine Anleitung sondern bleibt eher Dauerwerbesendung. GPS hat je nach Gelände unterschiedliche Genauigkeiten, das heißt manches geht nicht. Zaun innen oder außen braucht man gar nicht erst probieren. Unter Übedachungen ist auch eine schlechte Idee. „Rein-Raus-Posten sind recht unfair, weil das Smartphone an unterschiedlichen Stellen auslösen könnte. Felsposten und sehr steile Täler- ebenfalls schlecht. Für die Genauigkeit für den ganzen Lauf ist es wichtig, dass man den Lauf immer mit guter Sicht auf den Himmel startet- und wieder beendet. Das gps läuft immer ein bisschen nach, was manchmal nervig sein kann.

Was ist toll?

Geklaute Posten, falsche Codenummern, Stress am Morgen vor dem Lauf- das hat man nicht mehr. Wenn die Posten den CheckSites-Testlauf bestanden haben „sitzen“ sie und jeder wird sie finden. Sehr entspannend.

Alle Ergebnisse werden automatisch erzeugt, ohne dass der Ausrichter was können muss, die Auswertung in RouteGadget ist für OLer und Nicht-OLer gleichermaßen faszinierend.

...und was ist schlecht?  

Ganz klar, die Smartphones. Da gibt es 1000 Modelle verschiedenen Alters die da unterwegs sind. Manche GPS-Empfänger sind ungenau, manche schalten sich automatisch ab, Akkus sind leer. Wenn man sich Mühe macht und die richtigen Einstellungen wählt funktionieren aber alle Smartphones.

Übrigens ist es gar nicht wichtig, ob das Smartphone die Posten beim Lauf erkennt. Letztendlich ist es nämlich so, dass beim Hochladen das Programm auf dem Server den GPS-Track analysiert und entscheidet, ob der Läufer am Posten war. Manueller Eingriff ist möglich. Deshalb kann man die Läufe auch mit dem normalen Fitnesstrackern und Laufuhren machen (da heißt die App dann MapRunG, G für Garmin). 

Stolpersteine

Wie immer, die Karten. Mit OCAD ist es relativ einfach, Karten und Bahnen so abzuspeichern, dass sie schnell hochgeladen werden können. Wer sich jedoch gar nicht mit Karten, GPS und Dateiformaten auskennt, für den ist es am Anfang schwierig. Nein, am Anfang ist es für alle schwierig aber dann läuft es für die meisten. 

Unser Fazit:

Ein unglaubliches Potential für die Erschließung neuer Gelände, neuer OL-Ideen und neuer OL-Begeisterter!

 

Autor: Ingo Horst

Der Elitetipp erscheint monatlich auf o-sport.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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"Taunus-Cup" mit MapRunF
Lehrgang zur App MapRunF