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22. November 2020

Deutschlands „beste“ O-Sport-Karten und -Gelände #13 Teil 1

Karte 1968 Schrammsteine Conrad
erste OL-Karte von 1968 der Schrammsteine von Helmut Conrad (USV TU Dresden), überlappend mit der neueren von 1980, die Jens Leibiger auswählte. Scherzhaft wurde die von 1980 „Grünes Ungeheuer“ genannt, die so werden konnte, da zu der Zeit noch keine einheitlichen Zeichenvorschriften (z.B. Hochwald weiß, Felsen schwarz) galten. Helmuts Vereinskamerad Harald Grosse definierte diese Zeichenvorschriften in der IOF in den Folgejahren mit, auf deren Grundlagen Orientierungssport-Karten bis heute international aufgebaut sind.
erste OL-Karte von 1968 der Schrammsteine von Helmut Conrad (USV TU Dresden), überlappend mit der neueren von 1980, die Jens Leibiger auswählte. Scherzhaft wurde die von 1980 „Grünes Ungeheuer“ genannt, die so werden konnte, da zu der Zeit noch keine einheitlichen Zeichenvorschriften (z.B. Hochwald weiß, Felsen schwarz) galten. Helmuts Vereinskamerad Harald Grosse definierte diese Zeichenvorschriften in der IOF in den Folgejahren mit, auf deren Grundlagen Orientierungssport-Karten bis heute international aufgebaut sind.

Jens „Leibi“ Leibiger vom Post SV Dresden scheint immer auf Achse, vielmehr auf Skiern, Skirollern, dem Rad oder durch Wald rennend und das seit Jahrzehnten mit schönen Erfolgen.
Vor einem reichlichen Jahr wurde er im Erzgebirge MTBO-Mittelstrecken-Weltmeister in der H60. Seine DDR- und Deutschen Meistertitel wurden von seinem Verein gezählt: er errang 69-mal Gold. Hinzu kommen etliche D-Cup-Siege mit seinem Verein. Seit Jahren läuft er u.a. jährlich den schwedischen 90 km langen Skilanglauf-Klassiker Wasalauf. Neben seiner OL-Karriere machte er sich als Bahnleger verdient. Und das über seinen Verein hinaus: 4-mal nacheinander (2005, 2007, 2009 und 2011) plante er das Bahnkonzept für den Thüringer 24-Stunden-OL. Eine weitere Leidenschaft von ihm ist inzwischen das Fotografieren. Er stellt uns gleich drei Lieblingskarten mit Tradition vor.

Welche kartierten Gelände im Ski-, Fuß- und „Rad-OL“ sind für dich am technisch anspruchsvollsten?

Den größten Herausforderungen für sowohl Routenwahl als auch Feinorientierung sehe ich mich immer in komplexen Felsgebieten gegenübergestellt. Deshalb habe ich beim OL mal die Sächsische Schweiz mit der Karte vom Schrammstein-Gebiet ausgewählt. Geländebedingt wird in solchen Sandsteingebieten auch die körperliche Seite immer extrem gefordert, sodass hier der gemeine OLer allseitig gefordert wird.

Für den Ski-OL bleibe ich in gleicher Entfernung zu meiner Heimatstadt Dresden und stelle Euch die Karte Kahleberg zwischen Altenberg und Zinnwald vor. Die technische Herausforderung kommt hier einmal durch das an sich schon dichte Spurennetz rund um das Biathlon-Zentrum als auch durch oft viele wilde Spuren und großes Gedränge durch die zahlreiche, sich naherholende Dresdner Skilanglauf-/Outdoor-Gemeinde.

Beim MTBO gab es bei mir keine Frage ... ich bin ein Fan des Harzes. Der Anspruch bei den Harz-MTBOs kommt u.a. durch die Zweiteilung des Geländes, den windanfälligen, flachen und schnellen Teil nördlich der Harzkante rund um die Welterbestadt Quedlinburg und den durch viele tiefe Täler gegliederten Berg- und Waldteil. Die Bedeutung der an sich schon schwierigen Routenwahlen am Harzrand wird durch die Art der Veranstaltung/Aufgabenstellung (Score mit Punktwertung, Zeitlimit, Sonderaufgaben) noch erhöht.


Warum genau diese drei Karten?

Bei der inzwischen 40 Jahre feiernden Karte vom Schrammstein-Gebiet muss man als erstes Helmut Conrad und seine über 300 Arbeitsstunden erwähnen. Und die Kartenerstellung war ja damals noch ein richtiges Handwerk ... draußen ohne GPS-Hilfe mit eher dürftigem, oft verzerrtem Kartenbasismaterial und drinnen wurde mit Skribent für jede Farbe eine extra Folie handgezeichnet! Das Gebiet deckt dazu noch einen landschaftlich extrem spektakulären Teil des Nationalparks Sächsische Schweiz mit dem vielleicht beeindruckendsten freistehenden Felsen, dem Falkenstein, und der nicht weniger imposanten Schrammsteinkette ab. Wer zwischen Posten 20 und 21 am Fuße des Falkensteins vorbeiläuft und unvorsichtigerweise nach oben schaut, um das Ende vom Felsen zu sehen, wird nahe an eine Genickstarre kommen und demütig die nächsten Posten suchen ;). Und schon beim bloßen Wandern durch die engen Schluchten von Latten- oder Schießgrund staunen die aufmerksamen OLer-Augen ... und fragen sich, was geht da oder was geht doch eher nicht. Insgesamt ein Paradies für Wanderer, Kletterer ... und eigentlich auch OLer. Denn spätestens seit der Nationalparkgründung 1990 müssen auch wir OLer auf den Wegen bleiben, vielleicht ja immer mal mit einem „Kontrollblick“ auf dieses frühe OL-Kartenwunderwerk von 1980.

Das Gelände im Osterzgebirge ist demgegenüber für alle OL-Disziplinen nutzbar ... viele werden sich besonders an die sagenumwobene Wasserschlacht des DM-Mittel Wochenendes 2013 erinnern. Für den Ski-OL ist es auch deshalb prädestiniert, da es ein grenzüberschreitendes, schier endloses Langlauf-Eldorado abdeckt und ein gut ausgebautes Spurennetz beidseitig der Grenze besteht.

Die Karte vom Harz-MTBO (hier die 22. Auflage 2013) musste ich auch wählen, da ich selbst bei der Dauer von körperlicher Anstrengung scheinbar keine Grenzen kenne und ich auch deshalb dieses 5-Stunden-Rennen liebe. Sie ist für mich aber nicht zuletzt mit der jahrzehntelangen Arbeit der Quedlinburger für unseren O-Sport verbunden. Danke an dieser Stelle schon mal vor Eurer letzten, 30. Ausgabe des Rennens, ich werde es vermissen!

... Fortsetzung folgt

24er Bahnleger v2 24er Bahnleger v2
Jens Leibiger als Bahnleger für den 17. Thüringer 24-Stunden-OL im Rahmen der Siegerehrung gewürdigt
Foto: USV Jena
Jens Leibiger als Bahnleger für den 17. Thüringer 24-Stunden-OL im Rahmen der Siegerehrung gewürdigt
Foto: USV Jena
DM Mittel 2015 DM Mittel 2015
Jens Leibiger 2015 im tschechischen Abertamy bei der DM Ski-OL Mittelstrecke (4. in der Herrenhauptklasse)
Foto: Wieland Kundisch
Jens Leibiger 2015 im tschechischen Abertamy bei der DM Ski-OL Mittelstrecke (4. in der Herrenhauptklasse)
Foto: Wieland Kundisch
Weltmeister Foto Paul Steinert Weltmeister Foto Paul Steinert
Jens Leibiger (Mitte) 2019 als MTBO-Mittelstrecken-Weltmeister in der H60 dem Rabenberg
Foto: Paul Steinert
Jens Leibiger (Mitte) 2019 als MTBO-Mittelstrecken-Weltmeister in der H60 dem Rabenberg
Foto: Paul Steinert

Mehr:
Leibis deutsche Lieblingskarten und -gelände
Homepage des SV Wissenschaft Quedlinburg
Bericht zu Helmut Conrad anlässlich dessen 80. Geburtstages

Felix Späth und Wieland Kundisch und Jens Leibiger
DOSB-Fachforum „Umwelt- und Naturschutz im Sport“
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