OL OL

29. März 1992

Arne Leibusch diesmal ganz in Weiß

Gerade war die Sommerzeit über uns hereingebrochen, doch mit Sommer hatte dieser Märzensonntag des 29.3. nun gar nichts zu schaffen: Eine geschlossene Schneedecke überzog den „Buddeleiche“-Forst am südöstlichen Rand des malerischen Städtchens Hann.Münden. Das konnte ja wohl nur Arne Leibusch gewesen sein.

Wer ist eigentlich dieser sagenumwobene Pionier des deutschen OL? Graben wir einmal tief im Archiv und finden dort auf der Titelseite der OL-Nachrichten 3/78 das Bildnis eines feschen Jünglings und daneben die sensationelle Erkenntnis: „Der deutsche OL ist bereits 50 Jahre alt!“ Und weiter: „Am 1.April 1928, einem naßkalten Sonntag, war es Prof. Arne Leibusch, damals allerdings noch Student in Erfurt, der in der Nähe des kleinen thüringischen Städtchens Luisenthal den ersten deutschen OL durchführte. Kennengelernt hatte Arne Leibusch den OL während einer Studienreise durch Skandinavien, und wieder daheim wollte er unbedingt auch in Deutschland diesen Sport populär machen. Leider ging er kurz darauf in die Schweiz, so daß die ersten Anfänge des OL in Deutschland schnell wieder einschliefen“.

Die verschwundenen Pokale
Zu Ehren von Arne Leibusch stiftete mein Vorgänger als OLN-Redakteur, Manfred Neitzel, die beiden wohl mit Abstand schwersten deutschen OL-Wanderpokale, um die seit 1978 in der Damen- und Herrenklasse gelaufen wird, und zwar immer um den 1. April herum. Mit den Jahren kam auch eine beträchtliche Zahl kleinerer Wanderpokale für die übrigen Kategorien hinzu, doch haben wohl viele der ehemaligen Gewinner/innen den Charakter des Wanderpreises nicht so recht durchschaut, so daß die Mehrzahl dieser kleinen Pokale zur Zeit als verschollen gelten muß.

Gutes Konzept der TG Münden
Ein wichtiges Ziel beim Arne-Leibusch-Pokal ist, einen schönen Frühlings-OL für alle anzubieten, ohne dabei allzu großen Aufwand treiben zu müssen. Das setzten die diesjährigen Ausrichter der TG Münden um ihren „Motor“ Walter Rehbein konsequent um. In der Ausschreibung wurden 7 verschiedene Strecken zwischen 2,8 und 9,5 km offeriert, zwar auch mit Kategorien versehen, doch wer wollte, konnte ohne weiteres kürzer oder länger laufen. Auch die weitere Organisation mit einem Schützenhaus als Wettkampfzentrum paßte, und mit knapp 200 Aktiven kam auch ein annehmbares Teilnehmerfeld zusammen.

Nur einmal trieb Arne Leibusch seinen Schabernack, als nach einem Übertragungsfehler ein Postenschirm auf der falschen Lichtung landete, was zum Glück nur die lange Bahn der Herren betraf, die noch am ehesten beim Fehlen eines Postens richtig reagieren können.

Michael Finkenstadt wieder da
Werfen wir noch einen Blick auf die sportliche Seite, denn immerhin war der deutsche Meister Andreas Lückmann am Start, wie überhaupt der gesamte Trainerrat, der an diesem Wochenende im nahen Kassel tagte. Aus dem vollen Training heraus (am Vortag noch 2 lange Einheiten) legte „Lücke" dennoch eine flotte Zeit hin, die aber diesmal von einem unterboten wurde, um den es in den letzten Jahren recht still geworden war: Michael Finkenstädt. Der angehende Arzt hat die Studenten-WM im Visier und ließ schon als Gast beim Kader-OL-Test mit einem dritten Platz knapp hinter der Bestzeit aufhorchen. Nun hat Michael für ein Jahr den schwersten deutschen OL-Pokal, der seinem Vater vor etlichen Jahren schon mal durchs Regal gekracht ist. Auch bei den Damen war Prominenz am Start: Heidrun Finke gewann zum achten Mal den nur unwesentlich leichteren Cup.