25. August 2025
Vorschau: Europameisterschaften in Belgien
Die Europameisterschaften in Belgien stehen an und damit keine drei Wochen nach den World Games ein weiteres Saisonhighlight. Mit den Wettkämpfen wird die Sprintsaison eingeläutet. Am Mittwoch geht es los!
Das Programm
Mittwoch, 27.08. ab 19:00 Uhr – Sprintstaffel
Donnerstag, 28.08. ab 14:00 Uhr – Qualifikation KO-Sprint
Freitag, 29.08. ab 13:20 Uhr – Finalläufe KO-Sprint
Sonntag, 31.08. ab 09:30 Uhr – Qualifikation Einzelsprint
Sonntag, 31.08. ab 15:15 Uhr – Finalläufe Einzelsprint
Wie immer gibt es bei den Wettkämpfen eine Live-Übertragung durch das IOF, die in zahlreichen Ländern im TV ausgestrahlt wird – leider nicht in Deutschland. Den Livestream mit deutschem oder englischem Kommentar kann man auch bei uns gegen eine Gebühr schauen. Anschauen und anfeuern lohnt sich!
Das Gelände
Typisch belgisches Sprintgelände erwartet die Athlet*innen, wie sie es auch zu den Test- und Qualiläufen zu Gesicht bekamen, auch in den Trainingslagern im April und Anfang August konnten sie viel dieser Geländetypen üben. In Hasselt und Lier prägen Stadtkerne mit Häuserschluchten und groben Strukturen das Gelände, immer wieder aber auch durchsetzt von kleinen Gassen und Hinterhöfen, die bei hohem Tempo höchste Aufmerksamkeit erfordern. Routenwahlen sind hier oft schwer abzuschätzen, weil sie unsymmetrisch und „zackig“ sind. Zur Sprintstaffel in Hasselt wird auch ein Teil des Universitätscampus mit parkähnlichem Gelände und großen Häuserblocks belaufen. Zum KO-Sprint in Geel werden vermehrt auch Siedlungsgebiete im Fokus stehen, die mit vielen schmalen Wegen zahlreiche Routenwahlmöglichkeiten bieten, um im Rennen Athlet*in gegen Athlet*in die einzelnen Läufer*innen zu trennen.
Das Team
Damen
Emma Caspari (OL Team Lippe)
Birte Friedrichs (MTV Seesen)
Julia Fritz (OL-Team Filder)
Marlene Fritz (OL-Team Filder)
Maren Guthier (OLV Steinberg)
Katharina Linke (MTV Seesen)
Patricia Nieke (USV TU Dresden)
Paula Starke (USV TU Dresden)
Herren
Riccardo Casanova (OLG Regensburg)
Timon Lorenz (OLG Regensburg)
Florian Nagel (OL-Team Filder)
Tobias Nagel (OL-Team Filder)
Marek Pompe (SV Robotron Dresden)
Anselm Reichenbach (SSV Planeta Radebeul)
Konrad Stamer (Preetzer TSV)
Das deutsche Team geht gut vorbereitet in die Wettkämpfe. An den belgischen Bahnlegungsstil ist man durch die Teilnahme an mehreren ASOMs zur allgemeinen Sprintroutine bereits gewöhnt. Zusätzlich besuchte das Team unser Nachbarland in diesem Jahr für zwei Trainingslager: Zum ASOM in Turnhout im April folgte ein Trainingslager, erst zu Beginn des Monats nach den Testläufen in Mechelen folgte ein zweites Trainingslager etwas weiter südlich bei Leufven. Auch läuferisch konnten viele Teammitglieder in letzter Zeit persönliche Bestzeiten auf der Bahn markieren.
Bei jenen Testläufen in Mechelen zeigte sich zuletzt Anselm Reichenbach in extrem starker Form. Im KO-Sprint kam er in einem stark besetzten internationalen Feld bis ins Finale und wurde dort Fünfter. Erstes Ziel aller deutscher Starter*innen ist allerdings, die Qualifikation für die Finals zu überstehen. Dazu muss Jede*r von ihnen nahezu fehlerfrei laufen und einen guten Tag erwischen, dazu kommt auch ein bisschen Glück: Bei den Herren durfte man im KO-Sprint bei den Testläufen maximal 19 (!) Sekunden Rückstand auf den Sieger haben.
Den Auftakt macht die Sprintstaffel am Mittwochabend: Das Team Patricia Nieke – Marek Pompe – Anselm Reichenbach – Birte Friedrichs will die Platzierung von vor zwei Jahren (11.) bestätigen.
Die Favoriten
Favoriten zu benennen fällt bei diesem großen Starterfeld schwer. Im Gegensatz zur WM hat jede Nation 8 Starter*innen, sodass nicht einmal aus den Topnationen alle Läufer*innen mit dem Finale rechnen können.
In der Sprintstaffel zum Auftakt dürfte es auf ein weiteres Duell zwischen der Schweiz und Schweden hinauslaufen – mit Vorteil Schweiz: Während die Männer in der Staffel nahezu gleichwertig sind, dürfte den Schweden Tove Alexandersson fehlen. Die inzwischen 23-fache Weltmeisterin hat ihre Saison vorzeitig beendet, um sich auf die olympischen Spiele und den Gewinn einer Medaille im Ski-Mountaineering vorzubereiten. Dahinter kämpfen besonders drei Teams um die Bronzemedaille: Norwegen – die EM-Zweiten vor zwei Jahren, Finnland und Tschechien. Vor Heimpublikum könnte den Belgiern ein Coup gelingen – überraschen sie uns mit einem Podium?
Bei den Damen sind die Favoritinnen im KO-Sprint und Einzelsprint mehr oder weniger dieselben. Simona Aebersold (SUI) reist mit Siegen von World Games, Oringen und dem KO-Sprint beim Testwettkampf als Topfavoritin zur EM an. Die Form ihrer Landsfrau Natalia Gemperle ist nach einer Wettkampfpause im Vorfeld der World Games wegen einer Verletzung schwerer einzuschätzen, auch sie wird um die Medaillen mitkämpfen. Mit einem knappen Sieg beim Testrace-Einzelsprint und dem Sieg beim KO-Sprint der schwedischen Meisterschaften kommt Malin Agervig Kristiansson (DEN) als klare Podiumsanwärterin nach Belgien. Auch ihre Schwester konnte mit Topergebnissen im Sprint überzeugen. Hanna Lundberg (SWE) und Andrine Benjaminsen (NOR) sind beide gut in Form und immer einen Tipp wert. Aus der jungen Garde kämpfen die erst 20-jährige Rita Maramarosi (HUN) und Homecrowd Hero Tille de Smul (BEL) um Top10-Platzierungen.
Während die Topläuferinnen der Damen im Normalfall die Qualifikationsläufe schadlos überstehen sollten, ist nicht einmal das bei den Herren sicher, sodass Favoritentipps mit Vorsicht zu genießen sind. Zu gönnen wäre es allemal Yannick Michiels, nach dem World Games-Sieg vor Heimpublikum den EM-Titel im Einzelsprint feiern zu dürfen. Der größte Konkurrent dürfte Tuomas Heikkila (FIN) sein, der den Einzelsprint der Testläufe derart dominierte, dass einzelne Konkurrenten sich schon fragten, welchen Posten er weggelassen habe. Vielleicht ist er angespornt davon, dass Speakerlegende Per Forsberg ihn im KO-Finale der Testraces als einzigen nicht mit einem großen Titel in seiner Vita ankündigen konnte. Weitere Namen: Martin Regborn (SWE), der eine ganze Phalanx an Schweden anführt, in der unter anderem noch Isak von Krusenstierna und Jonathan Gustafsson vertreten sind. Ex-Weltmeister Kasper Fosser (NOR) hat seine größten Stärken im Wald, ist aber auch im Sprint immer für eine Medaille gut. Außenseiterchancen hat im Einzelsprint Tomas Krivda (CZE), im KO-Sprint ist der amtierende Weltmeister Riccardo Rancan (SUI) natürlich zu beachten.
Allen Vorhersagen zum Trotz können sich natürlich auch ganz andere Läufer*innen zum Sieger küren. Deshalb gilt: Am spannendsten ist es live – also schaltet ein!