17. Juni 2023
DM Staffel 2023
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Die höchste Waldbrandgefahr im trockenen Brandenburger Wald wurde durch etwas Regen gebannt – die Deutschen Staffelmeisterschaften konnten am vergangenen Samstag bei Bad Freienwalde starten. Die häufige Dresdner Dominanz durchbrachen die Regensburger bei den Herren und die Seesener bei den Damen.
Dabei kam der Sieg der Frauen des MTV Seesen mit Lina Buchberger, Meike Hennseler und Birte Friedrichs nicht unerwartet, starteten doch die beiden starken, konkurrierenden Frauen des USV TU Dresden, Patricia Nieke und Paula Starke, in der Männerkonkurrenz, um sich auch während dieser Staffelmeisterschaften auf die in knapp einem Monat stattfindenden Weltmeisterschaften in der Schweiz vorzubereiten. Auch Birte Friedrichs gehört zum deutschen WM-Aufgebot, zog es aber vor, ihrem Verein die Goldmedaille sicherzustellen.
Es wurde ein Start-, Zielsieg der jungen Frauen aus Seesen mit über acht Minuten Vorsprung gegenüber der saarländischen Staffel, die im Schnitt sogar nur 18 Lebensjahre aufweisen konnte.
Die Seesener kamen nach eigenem Bericht im Wald gut zurecht. Die immer wieder erstaunlich steilen Hänge, die vielen Täler und Rippen und das verbreitete Fallholz meisterten sie souverän, kennen sie dies doch aus ihrer Region im Westharz wohl ebenso gut. Inzwischen sind zwei der Drei allerdings zum Studieren nach Jena und Wien gezogen, wo sie aber jeweils auch solide Trainingsmöglichkeiten vorfinden. Meike übernimmt in Jena sogar Aufgaben im Kindertraining.
Das i-Tüpfelchen für den Sieg machte vielleicht die durch die Seesener initiierte gegenseitige Getränkeversorgung auf der Sichtstrecke aus.
Während die drei Seesener Frauen noch nicht wissen, ob sie im nächsten Jahr in dieser Besetzung wieder antreten, steht das für die siegreiche Regensburger Herrenstaffel mit Philipp Schwarck, Timon Lorenz und Riccardo Casanova wohl jetzt schon fest, denn sie laufen bereits seit zehn(!) Jahren sehr erfolgreich genau in dieser Besetzung Top-Platzierungen nach Hause. Sie starten mit dem klaren Ziel, den Sieg zu holen, zumal der starke Konkurrent Moritz Döllgast nicht für Dresden starten konnte. Den ersten Wechsel absolvierten sie noch auf Platz Sechs mit reichlich zwei Minuten Rückstand. Startläufer Phillip berichtete von einigen orientierungstechnischen Unsauberkeiten. Timon musste sich danach im Wald sogar kurzzeitig die Frage stellen: „Wo bin ich zwischen all den vielen Tälchen und Rippen?“, übergab aber trotzdem mit nur noch einer Minute Rückstand und Position Zwei auf die Dresdner Post-Läufer an seinen tempostarken Schlussläufer Ricardo. Dieser taktierte – Heranlaufen an Matthias Kretzschmar und danach auf den Schlussspurt setzen. Ricardo ist noch durch Long Covid Symptome eingeschränkt, wurde hintenheraus müde und berichtete von einigen unsauberen Ablaufrichtungen. Dazu knickte er auch noch um. Nachdem er Matthias auf dem Weg zum Vierten bereits sah, ihn am siebten Posten einholte, reichte es im Ziel für ordentliche 35 Sekunden Vorsprung. Diesen Sieg, der Spaß machte, feierten die Drei lustig beim Kinder-Labyrinth-OL auf der Zielwiese, beim Verfolgen der großen finnischen Jukola-Staffel und mit dem Unsichermachen einer Berliner Party …
Zum sogenannten Team-Wochenende gehört neben der Staffelentscheidung, wie sie auch international ausgetragen wird, zusätzlich die deutsche Erfindung Mannschafts-OL mit dem Status Deutscher Bestenkämpfe. Hier siegte der USV TU Dresden bei den Damen und der Post SV Dresden bei den Herren. Die Regensburger rangierten wegen eines Fehlstempels auf dem Abstellgleis, aber sie hatten ihre Party ja bereits am Samstag.
Mit jahrzehntelanger Erfahrung ausgestattet, organisierten die Berliner Ausrichter vom ESV Lok Schöneweide die Veranstaltung solide. Viele auf der Zielwiese vermissten die Informationen über den aktuellen Wettkampfverlauf per Lautsprecher, gerade bei der spannenden Staffelentscheidung.
Aber es suchten auch nur rund 160 Staffeln den Weg nach Bad Freienwalde, nach rund 200 im Jahr 2019 und rund 180 im Jahr 2022. Das mag am langen Weg in den Nordosten Deutschlands liegen.
Auf der anderen Seite bot Bad Freienwalde wieder ein fantastisches Gelände mit vielen offenen Buchenwäldern und einem tollen Höhenbild mit unendlich vielen Tälern und Bergrücken.
Hier überlegten Berliner Orientierungsläufer übrigens früher einmal, die Weltmeisterschaften 1970 auszutragen, bevor dem thüringischen Eisenach der Vorrang gegeben wurde.
Die Deutschen Meisterschaften 2007 über die lange Distanz fanden teilweise auf der gleichen Karte statt, die gleichen Meisterschaften 2019 im angrenzenden Wald. Viele ältere Orientierungsläufer schwärmen auch noch von den legendären Isohypsen-OLs in diesem perfekt dafür geeigneten Gelände – immer ein tolles Training für die Arbeit mit Höhenlinien.
Danke an die Berliner Ausrichter und hoffen wir, dass bald auch der Ausrichter für 2024 benannt werden kann. Dort starten dann auch wieder mehr Nachwuchsstaffeln, oder?
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