16. August 2025
Trail-O mit Aussicht bei einem großen Crosslauf
Zum 21. Festungslauf Königstein fanden Inklusionsangebote statt, so auch ein Trail-O vor der Kulisse der Sächsischen Schweiz, wohin es über Sachsen hinaus einige O-Sportler*innen lockte.
Über Bekanntschaften erreichte die Dresdner OL-Gemeinschaft Ende 2024 die Anfrage, ob sie im Rahmen des Festungslauf Königstein - einen durch seine Steigung besonders harten Crosslauf - einen Wettbewerb für Rollstuhlfahrende gestalten könnte. Wieland Kundisch, schließlich entsprechender Wettbewerbsleiter, dachte prompt an einen Trail-O und so wuchs aus der Idee ein Projekt: Mit Katja Engelhardt wurde eine erfahrene Trail-Orientiererin als Bahnlegerin gewonnen. Die Karte musste angepasst werden, geht es doch beim Präzisionsorientieren um besondere Genauigkeit. Und alle Posten wurden schließlich Probe gestellt und durch den erfahrenen (Trail-)Orientierer Libor Forst aus Tschechien geprüft, der auch die Auswertung übernahm. Auch unser Trail-O-Experte Ralph Körner aus Bayern half mit Rat und Tat.
Bei allem Aufwand erwies es sich von Vorteil schließlich die immer populärere Disziplin PreO-Sprint ausgewählt zu haben, bei der es schlicht um die Entscheidung "steht richtig oder falsch" geht - sowohl von der Organisation her als auch für die Teilnehmenden, die zum größten Teil aus Orientierungslaufenden bestanden, die zuvor noch keine oder kaum Trail-O-Erfahrung gesammelt hatten. Zum Teil waren sogar Leute angemeldet, denen Orientierungssportkarten vor der Veranstaltung gänzlich unbekannt waren. Aber es kamen auch Profis aus Prag, denen es nicht zu leicht gemacht werden sollte. Kein einfacher Spagat. Die am weitesten Angereisten waren wohl aus Karlsruhe, wo 2029 die World Games stattfinden. Waren die meisten Einzelstartende, so traten auch einige Teams an, wodurch sich die Teilnehmerzahl über 40, aber unter dem Limit von 50 bewegte. Zudem stammen die Dabeigewesenen aus 4 Nationen.
An der Erklärstation mit ein paar Beispielposten kam leicht erschwerend hinzu, dass ein kartiertes Häuschen am Austragungstag vor einer Woche fehlte. In drei Abschnitten wurden schließlich 23 Posten bestimmt. Als einziger Starter alle richtig deutete sie Jens Leibiger vom Post SV Dresden, der im Ziel unzufrieden von einem Trail-O zuvor beim O-Ringen berichtete. Den Festungslauf konnte er nicht wie andere danach noch bestreiten, war dieser am Ende doch gänzlich ausgebucht. Dafür fuhr Jens tags darauf in Freiberg den MTBO, für welchen Hanka Straube vom SV Lengefeld, 3.-Platzierte in "Fortgeschrittene offen", sich mitverantwortlich zeichnete. Hanka ist ebenfalls Trail-O-erfahren und baut Trail-O-Elemente in ihr Kindertraining ein, um die Kenntnis von möglichen Postenstandorten, von Kartensymbolen und der Postenbeschreibung zu schulen, - und ihre Schwester ist seit bereits über 20 Jahren im Trail-O international erfolgreich.
Dass MTBO nicht ungefährlich ist, beweist leider, dass die Zweitplatzierte in der Paraklasse Hana Doležalová, hinter der Siegerin Jana Kosťová, durch einen Unfall beim MTBO vor Jahren im Rollstuhl landete - kein Einzelfall. Umso schöner, dass es eine O-Sportart für Menschen im Rollstuhl gibt. Bei der Siegerehrung strahlte sie, aber mussten die Rollstuhlfahrenden wegen Stufen vor statt auf der Bühne geehrt werden. So ganz inklusiv ist es dann doch nicht.
Dankenswerterweise konnte das Team des OSV Dresden die Logistik und Infrastruktur des Festungslaufes für den Trail-O mit nutzen und sich zugleich räumlich und zeitlich etwas abseits des Laufspektakels halten. Um Touristenpulks und das Fernsehen kam es aber schließlich nicht drumherum, da die Festung ein großer touristischer Magnet ist, zumindest bis 18, 19 Uhr, und da der Initiator des Trail-O Veit Riffer einige Tage, so auch diesen, vom ZDF begleitet wurde. Ausgestrahlt wird der Beitrag über ihn und das Event allerdings erst im November, worauf auf dem Schwarzen Brett hingewiesen werden soll.
Der Gesamtleiter Jens Dzikowski wünscht sich eine Fortsetzung des Trail-O auf der Festung, allerdings ist ein O-Sportwettkampf eben keine Laufveranstaltung, bei der eine einmal etablierte Strecke im besten Fall beibehalten wird. Für nächstes Jahr kann hier schon mal erfreut verkündet werden, dass es mit einem Sprint-OL auf der Festung Königstein klappen könnte, allein es einer Terminkollision aus dem Weg zu gehen gilt - nun also vielleicht doch noch nach dem Sprint in der Burgruine Königstein im Taunus auch einer auf der sächsischen Festung ... Zudem kam die Idee auf, vielleicht im Rahmen des 3. Saxonia O Festivals - mit dem Sprint als Prolog - einen Trail-O im nahen Wald anzubieten.
Nicht unerwähnt soll hier bleiben, dass 14 OLer/innen der Region den 8,8km langen und etwa 350Hm reichen Festungslauf Königstein 2025 bestritten, wobei 3 Nationalkader sich in der Spitze des großen Feldes platzierten: Patricia Nieke (USV TU Dresden) wurde 3. gesamt und 2. in der W30, Marek Pompe (SV Robotron Dresden) 4. gesamt, 3. M20 und verbesserte sich um 1:16min gegenüber 2024, als er 5. gesamt wurde. Und Konstantin Kunckel (USV TU Dresden) wurde 8. gesamt, 4. M20. Bemerkenswert ist auch, dass die schnellste Dame erst 14 Jahre alt war und wie der diesjährige Herrensieger die Streckenbestzeit (seit 2023 neue Streckenführung) deutlich nach unten verschob.
Also in vielerlei Hinsicht, gab es doch auch erstmals einen Inklusionslauf für geistig beeinträchtigte Menschen, eine besondere, eine Rekordausgabe, zu der der O-Sport beitrug.
PS: Da nicht alle Teilnehmenden ihre in den Zwischenzielen eingesammelten Karten wieder abholten, seien sie hier veröffentlicht.
Mehr:
Ergebnisse und Lösungskarten
Blog des Initiators
Bericht Festungslauf-Homepage