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22. Februar 2021

Präzisionsorientierer trotzen der schwedischen "Wildnis"

Bei der anspruchsvollen Online-TempO-Serie "Swedish Forest Cup" gingen über 100 deutsche Teilnehmer an den Start. Wie immer gab es auch gute deutsche Ergebnisse.

Diese virtuelle Trail-O-Serie hatte es in sich. Der "Swedish Forest Cup", ausgerichtet vom Verein Linköpings OK, bot den über 900 Teilnehmern aus 36 Nationen insgesamt neun sehr fordernde Wettbewerbe. Die Schwierigkeit ergab sich nicht nur aus der Wahl des Geländes - ruppiger skandinavischer Wald mit zahlreichen Höhenformationen und Felsobjekten - sondern auch aus einer leider qualitativ nicht optimalen Qualität von Karten und Bildern.

So wurden durchweg Orientierungslaufkarten im Maßstab 1:15000 oder 1:10000 verwendet und auf den Maßstab 1:5000 oder gar 1:2500 vergrößert, ohne jedoch die Karte danach zu bearbeiten. So führte eine auf hohes Lauftempo ausgelegte Generalisierung der Karten letztlich zum Fehlen diverser (für die Lösung der Aufgaben wichtiger) Referenzobjekte, kleine Kartenfehler potenzierten sich. Diese aus den Anfangsjahren des Trail-O in Skandinavien bekannte Praxis ist international eigentlich erfreulicherweise ein "Auslaufmodell", kam beim Swedish Forest Cup aber noch einmal zur Anwendung.

Für Schwierigkeiten sorgte bisweilen auch die teilweise Verwendung von Weitwinkelaufnahmen bei den Geländefotos, die eine unnatürlich weite Perspektive mit sich brachten, welche das Einlesen insbesondere an den Bildrändern erschwerte. Dass die Entscheidungspunkte meist mitten im Wald gewählt wurden, erhöhte die technischen Anforderungen noch einmal immens, so dass viele Teilnehmer große Probleme bei der anfänglichen Allokation hatten. Aufgrund der Schwierigkeit wurden sowohl die Maximalzeit je Station als auch die Strafzeit bei Fehlern verdoppelt. Bei nun 60 Sekunden Zeitstrafe pro falscher Lösung war korrekte Kartenarbeit noch wichtiger, die Geschwindigkeit beim Lösen der Aufgaben trat etwas in den Hintergrund.

Gleich einige der exakt 101 deutschen Teilnehmer kamen auch mit diesen anspruchsvollen Rahmenbedingungen teils gut zurecht, wobei mit Sicherheit alle von ihnen mit ihrem Abschneiden bei der einen oder anderen Etappe durchaus etwas haderten. Für die beste deutsche Platzierung in der Gesamtwertung sorgte Bjarne Friedrichs (MTV Seesen) mit Rang 17 als viertbester "Nicht-Skandinavier". Doch Ralph Körner (OLV Landshut) und Ole Hennseler (MTV Seesen) konnten ebenfalls überzeugen und rangieren auf den Plätzen 20 und 21 ganz dicht dahinter. Für die beste deutsche Tagesplatzierung und damit das einzige Etappen-Podium sorgte Ralph Körner mit Platz drei am zweiten Wettkampftag in Småland. Den Gesamtsieg sicherte sich souverän der Schweizer Severin Howald vor dem Finnen Antti Rusanen und dem Italiener Alessio Tenani.

Bei den Vereinen wussten die deutschen Klubs besonders zu überzeugen. Der gewohnt starke MTV Seesen kam hinter dem Abonnementsieger Polisportiva Masi aus Italien auf einen sicheren und hervorragenden zweiten Platz, der USV Jena überzeugte mit einem starken fünften Rang. Mit dem SSV Planeta Radebeul auf Rang zwölf und dem OLV Landshut auf Platz 15 stehen am Ende insgesamt gleich vier der 26 deutschen Vereine unter den besten 15 der knapp 400 teilnehmenden Klubs.

In der Folge war Deutschland auch in der Nationenwertung einmal mehr auf den vorderen Plätzen zu finden. Hinter den siegreichen Finnen, den zweitplatzierten Schweden und den drittplatzierten Italienern reichte es diesmal erneut für einen ungefährdeten vierten Platz, der insbesondere angesichts der anspruchsvollen Wettbewerbe aller Ehren wert ist.

Insgesamt ist festzustellen, dass vor allem immer mehr aktive oder ehemalige deutsche OL-Nationalläufer im Elite- und Nachwuchsbereich die virtuellen Trail-O-Wettbewerbe für sich als Orientierungstraining entdecken und bereits nach kurzer Zeit das eine oder andere starke Tagesergebnis erzielen.

Als nächste Online-Wettkampfserie im Trail-O ist für März die Frühjahrs-Saison des TORUS-Cups mit acht Wettkämpfen innerhalb von vier Wochen geplant. Hier dürfte dann durch intensivere Wettkampfkontrolle eine stabilere Qualität der Aufgabenstellungen sichergestellt sein, so dass auch alle etwas gefrustet aus den schwedischen Wäldern "zurückgekehrten" deutschen Teilnehmer wieder Motivation schöpfen und sich auf die kommenden Trail-O-Herausforderungen freuen können. Detaillierte Informationen zum neuen TORUS-Cup erscheinen zeitnah auf der TORUS-Homepage.

 
Die Ergebnisse (Auszug):

 
Einzelwertung:

Rg. Name Verein Land Punkte
1. Severin Howald Tampereen Pyrintö SUI 781,24
2. Antti Rusanen Hauhon Sisu FIN 772,17
3. Alessio Tenani Polisportiva Masi ITA 770,01
17. Bjarne Friedrichs MTV Seesen GER 737,48
20. Ralph Körner OLV Landshut GER 734,27
21. Ole Hennseler MTV Seesen GER 732,52
43. Birte Friedrichs MTV Seesen GER 722,84
59. Leon Kollenbach Ski-Club Helsa GER 714,24
63. Anne Straube SV Lengefeld GER 712,29
68. Till Geiler USV Jena GER 705,32
79. Veit Slodowski USV Jena GER 697,52
81. Martin Scheuermann SSV Planeta Radebeul GER 696,40
83. Theo Hennseler MTV Seesen GER 696,20
87. Marlene Fritz OL-Team Filder GER 694,03

 
Vereinswertung:

Rg. Verein Land Starter Punkte
1. Polisportiva Masi ITA 12 2256,92
2. MTV Seesen GER 13 2206,69
3. MDOC GBR 12 2172,87
5. USV Jena GER 6 2127,33
12. SSV Planeta Radebeul GER 6 2052,90
15. OLV Landshut GER 15 2049,94
21. Westfalen GER 5 2014,78
25. USV TU Dresden GER 6 1968,01

 
Nationenwertung:

Rg. Land Land Starter Punkte
1. Finnland FIN 37 3887,38
2. Schweden SWE 52 3808,85
3. Italien ITA 112 3777,21
4. Deutschland GER 101 3739,06
5. Polen POL 48 3644,94
6. Großbritannien GBR 69 3638,46

 

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