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06. Juni 2011

MTBO´er nutzen Trans Germany zum Formaufbau

Über 1200 Starter aus 35 Nationen trafen sich am vergangen Mittwoch in Sonthofen zum Start der fünften Trans Germany. Darunter auch einige Mountain Bike Orientierer. So nutzten beispielsweise die Dänen, allen voran Erik Skovgaard Knudsen und Rikke Kornvig, die Rundfahrt als ersten Saisonhöhepunkt. Aus deutscher Sicht schob Benjamin Michael sein Rad an den Start der äußert anspruchsvollen "Tour de France für Mountainbiker". Dabei galt es in 4 Tagen knapp 350 Kilometer und knapp 9000 Höhenmeter zu überwinden. Einen Bericht über die Rundfahrt sowie erlebte Eindrücke von Benjamin findet Ihr im Folgenden.

1.Etappe 01.06.2011: Sonthofen - Pfronten (68,3km, 2557hm):

Der Startschuss zur ersten Etappe erfolgte pünktlich um 10:00 Uhr am Spaßbad Wonnemar in Sonthofen. Der Wetterbericht stimmte zum Glück nicht, denn statt des gemeldeten Dauerregens blieb es im Tal bei ca. 12 Grad trocken. Von Anfang an hieß es gleich Vollgas, denn dieser als Königsetappe bezeichneter Abschnitt, wartete gleich mit dem ersten Anstieg (600hm auf 6km) auf das Fahrerfeld. Hier wurde dieses sofort auseinander gezogen, sodass sich die Profiteams absetzen konnten und ich mich an der Bergwertung etwa an Position 100 wieder fand. Von dort führte eine steile Abfahrt zum zweiten heftigen Anstieg um dann gleich wieder steil ins Tal zu rasen. Diese Berg- und Talfahrt forderte mir alles ab, da es keinerlei Zeit zur Regeneration gab. An der Verpflegungsstation angelangt merkte ich schon, dass dies heute ein harter Tag für mich wird. Deshalb nahm ich einen Riegel mehr mit auf den Weg zum nächsten Anstieg. Doch dies half alles nichts- beim letzten zu bewältigenden Berg machte mein Oberschenkelmuskel zu und ich musste vom Rad absteigen und schieben um diesen zu entlasten. Nach kurzer Pause konnte ich das Rennen wieder aufnehmen und rettete mich ins Ziel. Meine Gedanken waren allerdings schon bei den nächsten schweren Etappen, welche mich daran zweifeln ließen das Ziel zu erreichen.

Sieger der ersten Etappe wurde der Profi Mountainbiker Christoph Sauser vor Weltmeister Alban Lakata.

2.Etappe 02.06.2011: Pfronten Lermoos(78,2km, 2298hm):

Am zweiten Tag hieß es also Kräfte schonen und ohne muskuläre Probleme ins Ziel fahren. Dies schaffte ich indem ich mir eine Herzfrequenzgrenze setzte, was bei Steigungen von maximal 24% allerdings schwer einzuhalten ist. Auf die Fahrer warteten wieder 4 schwere Anstiege, nur dass diesmal ein längerer flacher Abschnitt zwischen Berg 2 und 3 zur Erholung dienen konnte. Auch hier waren schnell die Platzierungen vergeben, da gleich zu Beginn der Etappe der erste schwere Anstieg das Feld zerpflückte. Hatte man eine Gruppe gefunden hieß es im Windschatten[nbsp] Kräfte sparen und mitfahren. So konnte ich mich am letzten Anstieg aus meiner Gruppe lösen und noch einige Platzierungen gut machen. Der ca. 4km lange Trail ins sonnige Lermoos entschädigte dann für den etwas schwierigen ersten Tag. Dort angekommen warteten die tägliche Massage sowie die Pastaparty zur Regeneration.

Sieger auf dieser Etappe wurde wieder Christoph Sauser vor Alban Lakata. Allerdings überschattet ein schwerer Sturz mit Helikopterrettung diesen Tagesabschnitt.

3.Etappe 03.06.2011: Lermoos- Garmisch Partenkirchen(83,4km, 1881hm):

Auf der dritten Etappe fühlten sich die Beine erstaunlich gut an, was wohl an der wohltuenden Massage vom Vorabend lag. An diesem wunderschönen Renntag warteten wieder drei schwere Anstiege auf das Fahrerfeld. Heute kannte ich allerdings den Großteil der Strecke, da ich im Rahmen einen Trainingslagers schon einmal in der Leutasch mountainbiken war. Es galt heute das Zugspitzmassiv zu umrunden und da dies noch nicht schwer genug wäre bauten die Organisatoren noch eine Schleife über die knapp 1500 Meter hoch gelegene Tuftlalm ein. Am ersten Berg konnte ich zahlreiche Starter überholen, da dieser Anstieg mit knapp 10% Steigung nicht so steil war wie die an den vorhergegangenen Tagen und mir so mehr entgegen kam. Auf der extrem steilen Abfahrt nach Ehrwald sollten dann meine Bremsscheiben anfangen zu glühen, sodass ich einige Plätze verlor, da ich diese kühlen musste. Der zweite Berg bildete das Dach der Tour. Auf 1600 Metern Höhe ging es nach etwa 30 Minuten Quälerei auf dem kleinsten Gang ins wunderschöne Gaistal. Hier bildete sich eine Gruppe in der ich mitraste. Die nächsten flachen 35km wurden in einer guten Stunde quasie überflogen. Beim letzten Anstieg hoch zur Partnachalm sprengte es die Guppe wieder auseinander und ich konnte noch mal einige Plätze gut machen. Oben angekommen war ich mit 3h 27min sehr zufrieden mit diesem Tag.

Heute zeigte der Gesamtführende Christoph Sauser erstmals leichte Schwächen, konnte aber zum Sieger der Etappe, Alban Lakata, gegen Ende des Rennens wieder aufschließen und verteidigte das gelbe Trikot.

4. Etappe 04.06.2011: Garmisch Partenkirchen- Achensee(102km, 1727hm):

Am letzten Tag der Rundfahrt wartete die längste allerdings auch „flachste“ Etappe auf das Fahrerfeld. Mit knapp 1800 Höhenmetern auf 102 km kam mir dieses Teilstück sehr entgegen. Ich konnte von Anfang an in der großen ersten Gruppe mitfahren und lag so nach der ersten Rennstunde relativ weit vorn im Feld. Nach dem, aufgrund von Genehmigungsproblemen neutralisierten Abschnitt, galt es den letzten Berg der Tour zu bewältigen. Hier setzte ich alles auf eine Karte und fuhr Vollgas den Berg hinauf. Alle gesparten Körner wurden nun verschossen. Auf der Abfahrt an den wunderschönen Achensee konnte man noch mal die Landschaft genießen. Mit dem Kopf schon fast im Ziel stellte sich allerdings eine weitere Herausforderung in den Weg- Gegenwind auf den letzten 25 leicht steigenden Kilometern. Ich konnte zu einer größeren Gruppe aufschließen und so diesen Abschnitt sehr schnell überbrücken. Am Ende erreichte ich als 104. von knapp 1200 Startern das Ziel, was meine beste Etappenplatzierung darstellte. Höchstzufrieden und ein wenig stolz über die erbrachte Leistung holte ich mir mein Finishertrikot ab und genoss das herrliche Wetter in den Alpen.

Sieger wurde heute Matthias Bettinger vom Centurion Vaude Team, was aber am Gesamterfolg von Christoph Sauser nichts änderte.

Zusammenfassend war diese Rundfahrt für mich die wohl größte Herausforderung meiner bisherigen sportlichen Laufbahn. Für absolute Top Ergebnisse hat es nicht gereicht, was aber in Anbetracht der Tatsache, dass dort etwa 60 Profi Mountainbiker mit ihren jeweiligen Teams am Start waren, auch nicht zu erwarten war. Mit Platz 128 im Gesamtergebnis bin ich immerhin 68. vom "Best of the Rest". Ich durchlebte einige Höhen und Tiefen während der Rundfahrt, konnte mich aber immer gut erholen und wurde von Tag zu Tag stärker. Bemerkenswert sind die Platzierungen der dänischen Top MTBOer. Rikke Kornvig errang den 6. Platz der Gesamtwertung bei den Frauen und Erik Skovgaard Knudsen schaffte einen hervorragenden 29. Platz in der Gesamtwertung. Dies zeigt, dass die Weltspitze im MTBO ganz nah an der Weltspitze im MTB- bereich liegt !

Nun folgen zwei Wochen regeneratives Grundlagentraining, bevor mit dem 24h MTB Rennen in Chemnitz und anschließend den beiden Raglistenläufen in Basel die spezielle WM- vorbereitung beginnt. Der Fokus liegt also wieder auf dem Orientierungsport. Einen Monat Pause vom O-Zirkus hat dem Kopf gut getan und ermöglicht nun den speziellen Fokus auf bevorstehende Aufgaben.

Abschließend möchte ich mich recht herzlichst bei meiner Freundin bedanken, die alle organisatorischen Aufgaben, wie Gepäcktransport, Hoteleinchecken, Verpflegung, übernahm und sogar noch tolle Fotos gemacht hat. Ohne Sie wäre diese wundervolle und anstrengende Woche nicht möglich gewesen.

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