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20. Juni 2012

MTB-Rundfahrt zum Formaufbau für die MTBO-WM

Wie schon im vergangen Jahr nutzte Benjamin Michael die Trans Germany zur Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt, die Weltmeisterschaft im MTBO in Ungarn, worauf dieses Jahr seine komplette Saisonplanung ausgerichtet ist.

Vom 6. bis 9. Juni 2012 fand die sechste Auflage der CRAFT BIKE TRANS GERMANY statt. Das wohl größte deutsche Mountainbike-Etappenrennen lockt neben zahlreichen internationalen Profis auch hunderte Amateure. Mit Benjamin Michael nimmt ein Werdauer an der als "Tour de France für Mountainbiker" titulierten Veranstaltung teil, die über rund 300 Kilometer und 8.500 Höhenmeter entlang der deutsch-österreichischen Grenze verlief.

Die Strecke hatte es in sich. Von Sonthofen (GER) ging es zunächst auf einer reinen Allgäu-Etappe nach Pfronten (GER), ehe am zweiten Tag die deutsch-österreichische Grenze mit Ziel Lermoos (AUT) passiert wurde. Von der Tiroler Zugspitz Arena führte der Weg zu einem weiteren Österreich-Stopp, nach Seefeld. Die Abschlussetappe brachte das Feld zurück nach Deutschland, wo Garmisch-Partenkirchen zum wiederholten Male das Rennen beendete. Benjamin trainierte bereits zu Himmelfahrt auf der Trans Germany Strecke, sodass er nahe zu jeden Meter der Rundfahrt kannte. Die Zielstellung für die diesjährige Austragung fiel trotzdem zurückhaltend aus: "Ich habe zwar deutlich mehr Kilometer als letztes Jahr in den Beinen, mein Saisonhöhepunkt ist aber erst Ende August bei der MTBO-WM, sodass ich eine ähnliche Platzierung wie letztes Jahr anstrebe".

Hier ein Rückblick der Geschehnisse aus Benjamins Erzählungen:

1. Etappe:

Auf der ersten Etappe wartete auf die Fahrer gleich ein richtiges Brett. Mit 75 km und kapp 2800 hm stand gleich zu Beginn der schwierigste Tagesabschnitt an. Ich hatte aus dem Fehler vom Vorjahr gelernt und gab nicht von Anfang an Vollgas. Die Taktik hieß bis zum letzten Berg Körner so gut wie möglich zu sparen und dann die restliche Energie ausnutzen und attackieren. Dies gelang mir auch sehr gut. Am Anstieg zum Edelsberg könnte ich nochmals knapp 10 Fahrer überholen und mich so auf Platz 92 der Tageswertung platzieren. Dies bedeutete also auch am zweiten Tag den Start aus dem Profistartblock, sodass ich mich zufrieden der Massage und Nudelparty am Abend widmen konnte.

Witzige Anmerkung vom Abend: Ich verlor meinen Autoschlüssel auf dem Weg zur Massage. Nach dem wir uns schon damit abgefunden hatten das Auto aufbrechen zu müssen tauchte der Schlüssel bei der Polizei in Pfronten wieder auf. Ein 14-jähriger Junge hatte ihn dort abgegeben. Vielen Dank dafür nochmls.

2. Etappe:

Die zweite Etappe führte von Pfronten nach Lermoos über 78 km und 2400 hm. Diese Etappe verlief exakt gleich zum Vorjahr, sodass ich mir vorgenommen hatte hier meine Form zu testen und die Fahrzeiten beider Jahre zu vergleichen. Am ersten steilen Anstieg zum Himmelreich wollte ich noch etwas ruhiger fahren um dann auf den folgenden Anstiegen Vollgas zu geben. Erstaunlich weit vorn befand ich mich dann am Gipfel, sodass auf der schwierigen Abfahrt ins Tannheimer Tal kaum langsame Fahrer den Weg blockierten. Ãœber die nächsten Anstiege konnte ich meine Position in einer relativ großen Gruppe halten und somit bis zum letzten Anstieg relativ weit vorn im Feld mitfahren. Am letzten Berg merkte ich dann doch den Kräftverschleiß, sodass ich dort nicht nochmals attackieren konnte und die Platzierung ins Ziel fuhr. Am Ende hieß es Platz 80 auf der Etappe und somit erneut der Start aus Startblock A am kommenden Tag. Meine Fahrzeit konnte ich um 25min zum Vorjahr verbessern- die Form ist also sehr gut und ich befinde mich auf dem richtigen Weg.

3. Etappe:

Heute stand die Etappe an, welche mir am meisten liegt. Lange, nicht zu steile Anstiege warteten auf das Feld. Dementsprechend motiviert fand ich mich am Start ein. Auch das Wetter hielt erneut. Am ersten Berg konnte ich meine Streckenkenntnis gut ausnutzen. Ich kannte jeden Meter und wusste genau wann man Druck machen muss und wann man es kurz rollen lassen kann. Auf der Flachpassage zum zweiten, längsten und höchsten Anstieg der Trans Germany befand ich mich dann mit dem Führenden der Senioren-Kategorie in einer Gruppe. Nachdem ich meinen Tritt gefunden hatte löste ich mich sogar aus dieser Gruppe und fuhr meine eigenes Rennen. Die Abfahrt durch das wunderschöne Gaistal konnte ich dann leider nicht genießen, hier hieß es Vollgas. Danach folgte eine lange Passage mit ständigen kurzen aber knackigen Anstiegen. So sammelte man nochmals knapp 500 hm. Im Ziel in Seefeld fand ich mich dann auf einem tollen 67. Platz wieder. Auf dem Weg zur Massage und Nudelparty deuteten dann rabenschwarze Wolken auf das am folgenden Tag herrschende Wetter hin. 

4. Etappe:

Der Schlussakt stand also an. Seefeld begrüßte uns an diesem Tag bei richtig schlechtem Wetter. Es regnete in Strömen und hatte gerade mal 8°C. Alles in allem also gar nicht mein Wetter. Aber es half nichts, wenn man das begehrte Finisher Trikot haben wollte musste man diese Etappe noch überstehen. Es standen nochmals knapp 80 km und drei schwere Berge an. Am ersten Anstieg hatte ich das Gefühl ich stehe. Die Kälte schien meine Muskulatur zu lähmen. Oben angekommen hatte ich etwa 3:30 min Rückstand auf die Spitze. Eigentlich nicht schlecht, dachte ich, sodass die Motivation wieder anstieg. Am zweiten Berg waren die Muskel dann warm und der Regen ließ nach. In der Leutasch- einem etwa 20 km langen Tal- konnte ich mich dann aus einer 15-köpfigen Gruppe lösen und fuhr alleine zum letzten Anstieg. Dieser hatte es nochmals in sich. Der wieder einsetzende Starkregen hatte mich total durchnässt und ausgekühlt. Mein Puls erreichte gerade noch Werte um die 145 Schläge. Aus diesem Grund konnte es ab jetzt also nur noch heißen- Schadensbegrenzung und gesund ins Ziel kommen. Ich fuhr also so ökonomisch wie möglich hinauf zum Hausberg in Garmisch. Einige Plätze musste ich dabei noch abgeben. Auf der wahnsinnig schnellen Abfahrt ins Ziel kühlte mein Körper dann völlig aus (mein Tacho zeigte im Ziel eine Maximalgeschwindigkeit von 75 km/h). Am Ende hieß es heute Platz 75. Damit konnte ich trotzdem sehr zufrieden sein.

In der Gesamtwertung stand ein super 74. Platz. Ich habe also meine Platzierung vom Vorjahr (145. Platz) fast halbiert. Den Gesamt- Rückstand zum Sieger konnte ich um 45 min reduzieren. Alles in allem bin ich also höchst zufrieden mit der gezeigten Performance. Jetzt heißt es kurz regenerieren und dann auf den nächsten Saisonhöhepunkt- die Craft Bike Trans Alp (knapp 800 km und gut 20.000 hm)- vorbereiten. Es gilt allerdings auch den Kopf an die gewonnen Geschwindigkeit zu gewöhnen und so viel O-Techniktraining wie möglich zu machen.

Abschließend möchte ich mich bei meinen Betreuern bedanken. Meine Freundin und Bernd Kohlschmidt schafften mir ein nahezu perfektes, fast schon profimäßiges Umfeld, sodass ich mich komplett auf die Rennen konzentrieren konnte. Ohne euch wäre diese Top-Leistung nicht möglich gewesen euch gebührt mein Dank.