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20. März 2020

Europameisterschaften läuten lange Pause ein

Es war ein Abschied, der mehr als nur ein Saisonende war. Die Europameisterschaften im Ski-Orientierungslauf Anfang März in Khanty-Mansyisk, jenseits des Urals, waren nicht nur eine Zäsur am Anfang der Corona-Krise, sondern auch der Beginn einer langen Pause des internationalen Orientierungssports in Russland.

Die Verhältnisse im Westen Sibiriens waren den Umständen entsprechend sehr gut mit ausreichend Schnee und bester Infrastruktur. Allerdings blieb die Teilnehmerzahl übersichtlich. Das italienische Team reiste am Beginn der Corona-Krise gar nicht mehr an, das norwegische Team brach nach zwei Wettkämpfen seine Zelte ab. Ohnehin hatten einige Teams die lange Anreise gescheut, deutsche Teilnehmer waren nicht am Start.

Ungeachtet dessen boten die russischen Organisatoren eine perfekte Organisation mit Onlineübertragung aus Liveresults, GPS-Tracking und einer Live-Youtube-Berichterstattung mit diversen Kamerapositionen sowohl im Stadion als auch im Wald. Die Infrastruktur der von Biathlon-WM und Weltcup her bekannten Anlage war perfekt. Leider waren im Station keine Zuschauer mehr.

Bei den Titeln schaffte der Gastgeber eine nahezu makellose Ausbeute. Fast alle Goldmedaillen blieben in Russland. Europameister im Sprint wurden Alena Trapeznikova und Sergey Gorlanov. Über die Mitteldistanz siegten Tatyana Oborina und erneut Sergey Gorlanov. Die Mixed-Staffel entschied Russland (Trapeznikova, Gorlanov) für sich vor Schweden (Olsson, Lundholm) und - zur Überraschung vieler - Estland (Kudre, Jaama). Über eine wieder sehr lange Langstrecke gewannen Marina Vyatkina und Andrey Lamov. Bei der abschließenden Staffel entriss bei den Damen Schweden Russland den einzigen Titel, dritte wurden die Finninnen. Bei den Herren siegte Russland vor Finnland und Schweden.

Auf Grund des warmen Winters und der damit verbundenen Absage der Rennen in Lettland, bestand der Weltcup nur aus den Rennen im schwedischen Umeå und im russischen Khanty-Mansiysk. Es siegte im Gesamtweltcup der Damen Tatyana Oborina und bei den Herren Vladislav Kiselev (beide Russland). Im Teamweltcup, bestehend aus den fünf Staffelergebnissen der Saison, ergab sich die Reihenfolge Russland, Schweden, Finnland, Tschechien, Estland und Norwegen.

Es hoffen vermutlich alle Ski-Orientierungsläufer, dass der internationale Wettkampfbetrieb bald wieder aufgenommen werden kann. Und die Ski-Orientierungsläufer haben die zusätzliche Hoffnung, dass es nächsten Winter wieder etwas kühlere Durchschnittstemperaturen geben wird, denn es stehen kommendes Jahr die EM und Senioren-WM in Bulgarien sowie die Jugend-EM, Junioren-WM und Elite-WM in Estland auf dem Programm. Desweiteren stehen zwei Multisportevents mit der Universiade in der Schweiz und den CISM-Games in Berchtesgaden an, bei denen Ski-Orientierungsläufe ausgetragen werden sollen. Alle vier Ausrichter würden mit einem ähnlichen Winter wie 2019/20 ein Problem bekommen, da die Schneearmut lediglich Nordskandinavien und Teile Russlands verschont hat. Russland indes wird in den kommenden Jahren kein Austragungsort werden, da sich auch der Orientierungssport-Weltverband IOF dem von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA verhängten Boykott des Landes angeschlossen hat.

Fotos: Media-Team ESOC 2020

Mehr:
Ergebnisse und GPS-Tracks der Ski-OL-EM 2020 im russischen Khanty-Masyisk
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