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17. Juni 2020

Elitetipp im Juni: Richtungskontrolle mit dem Kompass

Der Einsatz des Kompasses ist das A und O beim Erlernen der Orientierungstechnik:

  • Einnorden der Karte
  • Kompasslauf
  • die Ablaufrichtung vom Posten
  • die Ablaufrichtung vom Absprungpunkt zum Posten

Wenn man diese Techniken beherrscht und anwendet, bringt das schon viel Sicherheit und kann Zeitverluste durch Orientierungsfehler vermeiden oder reduzieren.

Ich möchte noch einen Schritt weitergehen und die nahezu ständige Anwendung des Kompasses empfehlen.

Richtungskontrolle während des gesamten Laufes, immer wieder und wieder …, um z.B. solche Fehler zu vermeiden:

Oftmals Parallelfehler, die zu Zeitverlusten von mehreren Minuten führen können.

 

Wie kann das funktionieren?

Durch die ständige Richtungskontrolle bewege ich mich nur in einem recht schmalen Korridor und kann meine komplette Aufmerksamkeit (Wo bin ich? Ist das dort links der Hügel und rechts der Sumpf? Das sieht aber komisch aus? Jetzt müsste der Pfad doch bald kommen?) nur auf diesen Bereich konzentrieren. Ich muss nicht überlegen, ob ich vielleicht weiter links oder rechts sein könnte.

Mit dem entsprechenden Selbstvertrauen, einiger Erfahrung, Übung und konsequenter Anwendung kann man sich darauf verlassen, dorthin geführt zu werden, wo man hinmöchte, weiß unterwegs immer, wo man ist und hat keinen Grund, sich verunsichern zu lassen.

Wie relativ genau das auch über sehr lange Strecken, natürlich kombiniert mit der Orientierung an markanten Objekten im Gelände, zeigen uns die Starter bei einem Weltcuplauf im letzten Jahr:

In welchen Situationen ist die Richtungskontrolle außerdem besonders wichtig:

  • Bei schlechter Sicht zum Beispiel im Dickicht
  • Beim Kreuzen von Linienobjekten (Wege, Kulturgrenzen, Gräben, …)
  • Beim „aiming off“ … Hat es funktioniert, bin ich auf dem geplanten Weg rausgekommen/in welche Richtung muss ich jetzt?
  • Beim Ablaufen von markanten Objekten, z.B.:
    • auf einem Hügel vor dem Bergablaufen
    • in der Senke vor dem wieder Rauslaufen
  • Ohne Richtungskontrolle kann man sich ganz schnell „mit dem Gelände drehen“ und die geplante Richtung verlassen:

  • Bei Unsicherheiten mit der Darstellung auf der Karte. Die Kompassrichtung stimmt immer. Die Darstellung der Vegetation kann z.B. anhängig von der Jahreszeit unterschiedlich sein.
  • Bei Geländewechsel z.B. von flach und recht übersichtlich auf steil, felsig und unübersichtlich
  • Auf den letzten Metern zum Posten … Wirklich bis zum Posten kontrollieren!
  • Wenn das Lauftempo sehr hoch/zu hoch ist z.B. bei der Staffel, der Kartenkontakt nachlässt oder der eigene körperliche Zustand z.B. zum Ende der Strecke hin schlechter wird. Gerade dann neigt man dazu, die Arbeit mit Karte und Kompass zu vernachlässigen. Umso wichtiger ist die Absicherung durch die Richtungskontrolle.

Bei der WM 2016 in Schweden habe ich unseren Wettkämpfern gegenüber den Kompass als ihren Freund und Helfer bezeichnet, der sie vor den großen Fehlern beschützen kann.

Wenn sie ihn nur machen lassen bzw. einsetzen …

Zwei der Kartenbeispiele weiter oben sind vom Mitteldistanz-Finale dieser WM …

Die Fehler hätten sich wohl vermeiden lassen und damit deutlich bessere Platzierungen möglich gewesen.

 

Wenn es nicht gleich so klappt, wie man sich das erhofft, kann man sich vielleicht mit dem GPS-Track einer der besten Orientierungsläuferinnen ihrer Zeit bei der WM 2011 ein wenig trösten:

Route zu Posten 1 von Minna Kauppi bei der WM-Langdistanz 2011

Autor: Andreas Lückmann, ehemaliger Elietläufer und langjähriger Bundestrainer

Der Elitetipp erscheint monatlich auf o-sport.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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