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14. Juli 2020

Elitetipp im Juli: Unsere liebsten OL-Trainings

Im Frühjahr genügen oft lange OLs auf irgendwelchen alten Karten oder sogar auf Grundkarten. Man will nur wieder mal eine Karte in der Hand haben und kommt so langsam ins orientieren rein. Was aber soll man im Sommer trainieren, wenn man bei den Wettkämpfen das Gefühl hat, es fehlt noch ein wenig der letzte Schliff, die ein oder andere Technik sitzt noch nicht sauber und man macht Fehler aufgrund der Stresssituation? Auf jedenfall nicht einfach irgendwelche „klassischen“ Bahnen (und ja nicht auf sehr veralteter oder schlechter Karte, das verdirbt die ganze Technik!!) ablaufen! Ich habe stattdessen mal einige Trainingsformen gesammelt, die Sinn machen für spezielle Wettkampftrainings:

Alsbacher Jagd

Eine tolle OL-Form, für die man nicht viel vorbereiten muss und die unglaublich Spaß macht.
Trainingsziel: genaues Orientieren in Stresssituationen
Durchführung: Es sind 2-4 ungefähr gleichstarke Leute in einer Jagd. Machen mehr am Training mit, gibt es verschiedene Jagdgesellschaften.
Als Vorbereitung werden einige kurze OL-Sprints (1,5 – 2km) mit je 4 eindeutigen Posten auf der Karte eingezeichnet. Als Postenmarkierung nimmt man 4 Sparkassenfähnchen, Klopapier oder ähnliches mit in den Wald.
Am Start bekommt nun der erste Läufer (je nach Leistungsvermögen) 30 sec bis 1 min Vorsprung, dann folgen Läufer 2 und 3 und schließlich 30 sec später Läufer 4. Läufer 1 setzt nun im Vorbeirennen die Posten, Läufer 4 nimmt sie wieder mit. Ziel der Einheit ist es, als erstes im Ziel zu sein.
Es wird reihum gewechselt, wer welche Position läuft.
Eine richtige „Alsbacher Jagd“ wird es aber erst, wenn mehrere Jagdgesellschaften parallel laufen: Die Strecken werden gegabelt gelegt, so dass sich die Läufer ständig kreuzen und man an Gabelposten vorbeiläuft. Erst aus der Nähe erkennt man (z.B. an Tapestreifen,...) welcher Posten zu welcher Jagd gehört. Genaues Orientieren ist also wichtig, wie bei der Staffel auch!

Golf-OL

zu dieser Einheit gehört schon etwas Selbstdisziplin und Erfahrung.
Trainingsziel: auf Fehler aufmerksam werden, Strategien zur Fehlervermeidung ausprobieren
Durchführung: es wird eine sehr technische Mittelstreckenbahn mit kurzen Postenabständen gelegt. Idealerweise sollten Posten hängen. Ziel ist es nun, jeden Posten ohne Fehler anzulaufen (mit einem Schlag zu treffen). Wenn man einen Fehler gemacht hat, muss man zurück zum letzten Posten laufen, sich überlegen, was falsch war und den Übergang noch einmal laufen. Oder aber dort, wo der Fehler begann, weitermachen.

Partner-OL

Eine sehr schöne Einheit zu zweit
Trainingsziel: Konzentration, mit Druck fertig werden
Durchführung: es wird eine normale Bahn gelegt, Posten müssen nicht hängen. Es wird paarweise gestartet, jeweils einer läuft 2 Posten lang vor, der andere liest mit. Er bleibt immer hintendran, auch wenn der vordere Fehler macht. Danach wird diskutiert, woran der Fehler lag, was gut war, was einem auffiel usw.
Diese Einheit eignet sich auch gut, wenn man keine richtige Lust hat, alleine zu rennen. Durch den Druck des „Schattenläufers“ wird das Tempo in der Regel höher und man konzentriert sich besser, so dass das Training doch noch einen Sinn macht.

Kompass- Blindflug

Sicher nichts neues, mir kommt es aber darauf an, dass er auch sinnvoll (=wettkampfrelevant) ist!
Trainingsziel: Kompasslaufen
Durchführung: die Bahn wird auf einer OL-Karte so gelegt, dass keine Dickichte, Zäune usw auf der Luftlinie liegen. Für die Läufer wird das ganze auf ein weißes Papier übertragen, wo nur die Posten und das Postenobjekt drauf sind. Das wichtigste: die Postenabstände sollen nicht über 200m hinausgehen! Länger bringt gar nichts für den „richtigen“ Wettkampf, denn niemals muss man so lange Stücke nur kompasslaufen, sondern man wird immer Objekte zum Orientieren haben, die man um die nötige Sicherheit zu haben auch benutzen muss.
Die Einheit ist auch für Anfänger gut, um eindrucksvoll auszuprobieren, wie gut es alleine mit dem Kompass geht.


Wenn man allgemein mit dem Kompass Probleme hat, empfehle ich eher folgende Einheit:


Kompass- Linien-OL

Diese Einheit hat den großen Vorteil, dass sie für sehr alte, bekannte Karten geeignet ist und dass man sie alleine vorbereiten und durchführen kann.
Traininsgziel: Tempohärte, Richtungsgefühl
Durchführung: Man zeichnet sich mit einem langen Lineal mit einem dicken Holzstift lange gerade Linien auf die Karte. Über Berg und Tal, durch Laufbehinderungen, nur nicht über Zäune oder unpassierbare Dickichte. Nun versucht man, in einem harten Tempo (nahe Wettkampftempo) ziemlich genau auf seiner Linie „langzubrettern“. Die Karte soll man nicht genau lesen, es geht nicht um Feinorientierung sondern um das Richtungshalten im Wettkampf bei hoher Geschwindigkeit. Bei den groben Objekten, die man passiert (Wege, Dickichte usw) kontrolliert man, ob man noch auf der eingezeichneten Kompasslinie ist.
Es ist eine gute Idee, mit Beinschonern und Brennesselhose zu laufen, denn Ziel ist es, auf der Linie zu bleiben. Gerade auch bei meterhohen Brennesselfeldern im Sommer oder bei Fallholz, was man als Weichling im Training sonst eher umgehen würde, hier aber gerade trainieren will.

Für viele, viele weitere OL-Trainingsformen kann auf das Buch „Orientierungslauf – Training“ (Dresel, Fach, Seiler) verwiesen werden, das eine beispiellose Zusammenstellung von OL-Trainingsformen hat.

Autor: Ingo Horst

Der Elitetipp erscheint monatlich auf o-sport.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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